Anfängerfehler auf der Säntis Classic

Letzten Sonntag waren wir an der Säntis Classic Tour. Diese Rundfahrt startet in Weinfelden, führt das Toggenburg hinauf, über die Schwägalp und Urnäsch zurück nach Weinfelden.

Der Tag begann sehr früh, denn wir mussten zuerst noch nach Weinfelden, wo um 8 Uhr der Start unserer Gruppe war. Leider war es fast nicht möglich, von hier aus rechtzeitig mit dem ÖV nach Weinfelden zu kommen. Also fuhren wir mit dem Auto. Wir kamen rechtzeitig an und holten die Startnummer 421. Dann assen wir noch etwas, bereiteten das Velo vor und gingen dann zum Startgelände. Die Stimmung war super und auch das Wetter hätte besser nicht sein können.

Erstaunlicherweise war Domi den ganzen Morgen ziemlich locker und überhaupt nicht nervös. So kenne ich ihn gar nicht in solchen Situationen :-).

Domi wollte diesmal etwas anders machen als sonst: Von Anfang an auf eine gute Kohlehydratzufuhr achten. Irgendwo hat er mal die Menge von 60 Gramm pro Stunde aufgeschnappt. Daran orientierte er sich. Oder versuchte es zumindest…

Anfangs klappte es recht gut. Mit Gel und Riegel konnte er die 60g tatsächlich futtern. Normalerweise isst er weniger. Aber wenn Du den Beitrag unserer Tour nach Strassburg gelesen hast, weisst Du, dass das auch mal nach hinten losgehen kann.

Die Strecke war wirklich wunderschön. Vorwiegend auf Nebenstrassen fuhren wir Richtung Süden. Immer mal wieder zeigte sich der Säntis, an dessen Fuss die Schwägalp, der Höhepunkt der heutigen Tour liegt.

Nach etwa eineinhalb Stunden, begann Domi sich unwohl zu fühlen. Er musste die Gruppe ziehen lassen und fiel in der Steigung zwischen Wattwil und Krummenau etwas zurück. Als Reaktion darauf nahm er von einem Kohlehydratgel. Ein Fehler? Kurz darauf, zehn Kilometer früher als wir erwartet hatten, kam der Verpflegungsposten. Ich hätte einen Bären verdrücken können, aber Domi hatte keinen Appetit. Er füllte nur die Trinkflasche auf und fuhr dann weiter. Der nächste Fehler, wie sich später zeigen sollte.
Es folgte der Aufstieg zur Schwägalp. Eine wunderschöne Strecke, sehr überschaubare Steigung, ein wahrer Genuss. Ehrlich! Und es ging uns auch ziemlich gut auf diesem Teil.

Die Schwägalp kam früher als erwartet. Oben auf der Passhöhe kam wieder ein Verpflegungsposten. Die Auswahl war riesig! Brot, Suppe, Früchte, Riegel, alles gab es und Domi hat diesmal auch ein bisschen gegessen.


Es folgte die wunderschöne Abfahrt nach Urnäsch. Wir haben uns einer Gruppe von etwa fünf Fahrern angeschlossen, mit denen konnten wir abwechslungsweise vorne Arbeiten und dann hinten im Windschatten ausruhen. Das war richtig cool! Wie die Profis. Leider verloren wir dann in einer Steigung ein paar Leute, worauf wir dann nur noch mit einem Partner weiterfuhren. Aber auch mit ihm funktioniert das abwechslungsweise Arbeiten und Ausruhen super und wir kamen gut voran.

Etwa 30km vor dem Ziel beklagte Domi sich, dass er Hunger hatte. Ich sagte ihm, er soll doch etwas essen! Aber das, was er dabei hatte (Riegel), mochte er nicht. Er sagte, sie hängen ihm Hals raus! Also hat er nur viel getrunken aber nichts gegessen. Dabei weiss man doch, dass man allerspätestens, wenn man Hunger hat, dringend essen muss! Besser schon vorher. Er dachte, er würde die restlichen Kilometer auch noch nur mit trinken schaffen.

20km vor dem Ziel kam wieder ein Verpflegungsposten. Leider war dort die Auswahl nicht mehr ganz so gross, und Domi trank wieder nur etwas. Er fühlte sich nicht mehr so wohl. Das war sicher, weil er zu wenig gegessen hatte! «Nur noch 20 Kilometer», sagte er, » das schaffen wir auch so!»

Und wir schafften es. Aber es war kein Genuss mehr. Die letzten 10 km wurden sehr hart. Warum ass er nichts?

Erleichtert erreichten wir das Ziel! Es war eine wunderschöne Tour, perfekt organisiert und bei super Wetter. Domi brauchte im Ziel einige Zeit, bis er sich wieder wohler fühlte. Aber schliesslich ist alles gut gegangen.

Und was haben wir gelernt? Domi hat zum ersten mal versucht, sich nur mit Riegel und Gel (und natürlich Getränken) zu versorgen. Solche Experimente sollte man nicht auf langen Touren machen. Besser auf kürzeren Strecken. Obwohl… da hätten wir vielleicht nicht gemerkt, dass das keine so gute Idee ist…
Hätten wir andere Sachen zu essen dabei gehabt, hätte er vielleicht davon gegessen und das hätte uns auf den letzten Kilometern nicht so ausgebremst. Wir sind noch auf der Suche nach der richtigen Sache und vor allem, nach der richtigen Menge. «Trial and error» nennt sich das. Entweder man gewinnt, oder man lernt 🙂

Und wie ernährt ihr euch so auf langen Touren? Schreibt’s doch in die Kommentare!

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