Gestern sind wir beim Alpenbrevet (alpenbrevet.ch) mitgefahren. Domi hat schon im 2022 daran teilgenommen. Wie damals, hat er uns auch dieses Jahr für die Silbertour angemeldet. Diese ist etwas über 100 Kilometer lang und hat 3200 Meter Steigung verteilt auf drei Alpenpässe. Die Route war gleich wie letztes Jahr.
Wir sind bereits am Vortag angereist und nachdem wir die Startnummer abgeholt hatten, gingen wir ins Dorf zum Znachtessen. Übernachtet haben wir dann im Auto. Martin und seine Frau waren auch da. Er hatte sich für die Platintour angemeldet!
Wie immer war Domi auch diesmal wieder nervös, aber am Morgen ging’s dann. Wir standen kurz vor 5 Uhr auf, haben gegessen und das Velo bereit gemacht. Um 6 Uhr ging es dann los. Es war noch kühl, aber im Gegensatz zum letzten Jahr war es trocken und der klare Himmel versprach einen sonnigen Tag. Wenn man bei Nacht und Kälte losfährt ist es manchmal schwierig, die Sonnencreme nicht zu vergessen.

Gegen die Kälte half der erste Anstieg hoch zum Gotthardpass. Der ist von Andermatt aus mit etwa 700 Höhenmetern nicht so hoch und auch nicht steil. Ein guter Anfang für die Tour, wie wir finden.

Eine fast endlose Linie von roten Lichtern schmückte den Aufstieg. Sehr schön anzusehen war auch die rote Linie der Goldtour-Fahrer, welche von Andermatt Richtung Oberalppass aufstiegen. Von Hospental sah man dort in der Ferne, die endlose rote Linie. Sehr beeindruckend.
Oben auf dem Pass angekommen, küsste die Sonne die ersten Berggipfel. Was für ein Anblick!


Es folgte die saukalte Abfahrt nach Airolo. Domi hatte auf dem Pass oben alles angezogen was er dabei hatte. Ich war froh, in der Tasche zu stecken, dort drin war es schön windstill und warm. Leider führte die Abfahrt über die Passstrasse und nicht die Tremola hinunter. Das Kopfsteinpflaster war letztes Jahr bei der Nässe eine angenehme Herausforderung für alle Fahrer und Fahrerinnen.
In Airolo war dann der erste Verpflegungsposten. Domi war ziemlich durchgefroren und da wir eh noch mehr als genug Futter dabei hatten, machten wir nur eine kurze Pause. Aufwärmen konnte er sich auf dem Aufstieg zum Nufenenpass noch genug. Ziemlich bald konnte Domi dann die Jacke und die Beinlinge zu mir in die Tasche stecken. Es wurde ziemlich eng da drin, deshalb hat er mich dann in die Trikottasche genommen. Das Bedrettotal war bei diesem Wetter herrlich schön und die erste Hälfte des Aufstiegs war ein Genuss. Ich fand auch die zweite Hälfte super schön, aber Domi fluchte, weil sein Magen wieder nicht so wollte wie er (scheint irgendwie häufiger der Fall zu sein ;-)). Er machte deshalb hie und da eine kurze Pause zum Essen und kämpfte sich im Schneckentempo die restliche paar Kilometer zur Passhöhe durch. Ich nutzte die Pausen für ein Foto.

Er dachte, es würde besser gehen, wenn er zum essen kurz anhält und nicht während der Fahrt ist. Keine Ahnung ob das stimmt, aber manchmal kommt er komische Ideen und hey, schlussendlich hatten wir den Aufstieg geschafft, so falsch konnte es also nicht gewesen sein. Er war sich aber nie sicher, ob er zu viel oder zu wenig ass. Vielleicht war es auch einfach das falsche. Wer weiss, irgendwann wird er’s lernen.
Weitere 1300 Höhenmeter lagen hinter uns. Belohnt wurden wir mit einem fantastischen Ausblick über die Walliser- und Berner Alpen.

Auf der Abfahrt (diese war zum Glück nicht mehr ganz so kalt wie die erste) konnte sich Domis Magen dann ein bisschen beruhigen. Im Tal unten in Ulrichen war dann auch schon der nächste Verpflegungsposten. Es herrschte Hochbetrieb denn auch die ersten Fahrer der Platintour waren dort. Martin kreuzte ich kurz vorher in der Abfahrt vom Nufenenpass. Er hatte da schon den Susten- und Grimselpass hinter sich gebracht.
Weil danach der Aufstieg zum Furkapass folgte und dieser fast so hoch und steil werden würde wie der vorherige zum Nufenenpass, wollte Domi beim Verpflegungsposten so lange Pause machen, bis er sich wieder wohl fühlte. Er tigerte etwas herum, trank eine Buillon, ass Brot, füllte Wasser in seine Flasche und nach etwa einer halben Stunde machten wir uns ganz gemütlich wieder auf den Weg. Das Alpenbrevet ist ja schliesslich eine Rundfahrt und kein Rennen. Die längere Pause hatte sich anscheinend gelohnt, Domi fühlte sich so gut wie noch nie an dem Tag und in seinem Übermut verlor er dann auch noch die Wasserflasche. Tja, wer so ungeschickt ist, muss dann halt anhalten, umkehren und die Flasche wieder holen. Zum Glück lag sie auf dem Trottoir und nicht auf der Strasse (welche in diesem Abschnitt nicht sehr gemütlich war).
Nach ein paar flachen Kilometern begann in Oberwald dann der Anstieg zum Furkapass. In diesem Teil hatte es enorm viele Töfffahrer. Viele davon rücksichtsvoll, überholen mit Abstand und Anstand. Herzlichen Dank euch allen für eure Rücksicht! Aber leider gibt es von den anderen Sorte immer noch viel zu viele. Scheinbar glauben diese, mit ihren lärmigen Maschinen irgendjemanden beeindrucken und können. Sie rollen auf gleiche höhe und geben dann so übertrieben Gas, dass der Lärm uns schier von der Strasse fegt. Hört doch bitte auf damit. Das ist soooo 1990! Als in Gletsch die Strasse zum Grimselpass von der Furkapassstrasse abzweigte, liess aber die Töffdichte merkbar nach und das Fahren wurde viel angenehmer.
Für den letzten Aufstieg von etwa 1100 Höhenmetern hatte Domi sich eine neue Ernährungsstrategie ausgedacht. Er hielt immer nach 150 Höhenmetern ganz kurz an, ass von seinen selbstgemachten Flapjacks und trank nur Wasser dazu. Keine Gels, keine anderen Riegel und keine Kohlenhydratgetränke mehr. Diese Strategie hat sehr gut funktioniert. Trotz den recht häufigen Stops konnten wir konnten wir ganz viele andere Fahrer und Fahrerinnen überholen. Für die gute Stimmung sorge aber sicher auch das Wissen, dass dies der letzte Anstieg war. Und auch hier war der Ausblick wieder wunderschön.

Gegen Ende hielten wir dann nur noch alle 200 Höhenmeter und schon sehr bald waren wir auf der letzten Passhöhe.

Jetzt fehlte nur noch die knapp 20 Kilometer lange Abfahrt nach Andermatt. Nachdem wir einen (mit Passtrassen offensichtlich überforderten) holländischen Autofahrer in einem gekonnten Manöver endlich überholen konnten, war die Abfahrt dann die verdiente Belohnung. Im unteren flachen Teil zwischen Realp und Andermatt konnten wir uns dann einer Zweiergruppe anschliessen, und wir vier harmonierten dann wunderbar mit Arbeiten vorne und Ausruhen im Windschatten hinten. In hohem Tempo näherten wir uns dem Ziel.

Insgesamt waren wir langsamer als letztes Jahr. Die Zeit verloren wir wahrscheinlich im oberen Teil am Nufenenpass und bei der längeren Pause in Ulrichen. Aber was spielt das für eine Rolle? Die Strecke und das Wetter waren toll, und wenn immer möglich, sollte man das geniessen und auch mal anhalten und die Gegend auf sich wirken lassen. So geht das.
Gegen Abend kam dann auch Martin ins Ziel. Wir waren dann aber schon abgereist. Er hat die 5 Pässe, über 7000 Höhenmeter und fast 270 Kilometer erfolgreich hinter sich gebracht. Grössten Respekt und herzliche Gratulation ihm und allen anderen Finishern der Platintour, und überhaupt jedem und jeder, welche durchs Ziel gefahren sind!
