Unsere Reise war nach der langen Tour von Peigney nach Paris noch nicht zu Ende. In Paris blieben wir vier Nächte und schauten uns die Stadt an. Schon schön, aber viel zu hecktisch und der Esel und ich waren froh, als wir weiter konnten. Mit dem Velo aus der Stadt raus zu kommen, ist gar nicht so einfach. Wir brauchten einige Stunden, bis wir wirklich wieder raus waren und links und rechts von uns wieder Grün war. Wir fuhren den Seine-Radweg entlang.
In weiser Voraussicht hatten wir in Paris von den Strassen- auf Gravelbereifung gewechselt. Das hat sich gelohnt, der Seine-Radweg ist zwischen Paris und Rouen nicht selten bloss ein Singletrail, hie und da auch im hohen Gras, sodass man den richtigen Weg kaum fand.

Mit der richtigen Ausrüstung aber ist der Weg gut zu meistern und sehr abwechslungsreich und schön…
…was nicht heisst, dass ich von der Defekt-Hexe verschont blieb. Irgendwann am Vormittag stach mir ein langer rostiger Nagel nicht nur durch den Hinterreifen (dieses Loch hätte die Tubeless-Milch sicher wieder verschlossen), sondern auch noch gleich durchs Felgenband. Also Schlauch montieren und weiter. Ein paar Minuten später hüpfte mein Garmin aus der Halterung. Glücklicherweise befestige ich ihn immer zusätzlich an der Schleife. Die Halterung war abgebrochen. Isolierband gezückt, Garmin angeklebt und weiter. Für den Rest des Tages blieben wir glücklicherweise von Defekten verschont.

Auch bei dieser Tour war das Wetter nicht gerade berauschend. Immer wieder gingen Regenschauer nieder, Regenjacke anziehen, Regenjacke ausziehen, und der Gegenwind war auch heute wieder ein treuer Begleiter. Und auch heute hatten wir wieder Probleme, Wasser zu finden. Die Gegend war wie ausgestorben, viele Geschäfte und Restaurants waren geschlossen, sodass wir uns fragten, ob ein Feiertag war, von dem wir nichts mitbekommen hatten. Aber dem war nicht so. Und gerade als mein letzter Bidon leer war, kamen wir zu einem schönen kleinen Restaurant, das geöffnet hatte. Uns trennten noch etwa 30 Kilometer von Rouen, unserem Tagesziel. Nach einem Kaffee ging es mit gefüllten Bidons weiter. Der letzte Streckenabschnitt war dann wieder nicht mehr schön, die Einfahrt in die Stadt war vor allem mit viel Industrie geschmückt. Ich glaube, der offizielle Seine-Radweg umgeht diesen Teil Strecke aus gutem Grund. Am späteren Nachmittag erreichten wir nach 190 Kilometern den Stellplatz wo unsere Familien auf uns warteten. Nach einem kleinen Imbiss und einer Dusche gingen wir dann in die Stadt, welche sich im Zentrum dann als sehr schön herausstellte.

Nach einem feinen Abendessen in einem Restaurant an der Seine gingen wir zurück zum Stellplatz und machten Feierabend.
Am nächsten Tag erwartete uns die letzte Etappe dieser Tour. 130km trennten uns bei der Abfahrt am frühen Morgen vom Tagesziel Honfleur. Eine überschaubare Distanz. Wir gingen es deshalb locker an. Die ersten 20 Kilometer führten uns wieder durch hässliche Industrie und erst dann kamen wir in ein kleines Dorf mit einer Bäckerei, wo wir (wie langsam üblich) Croissants, Pain au Chocolat und Café bestellten. Frisch gestärkt ging es weiter. Etwa 50 Meter weiter. Dann war mein Hinterreifen wieder platt. Unglaublich. Eine Untersuchung des Schlauchs zeigte ein ganz ganz feines Loch. Meine Vermutung: Die Schweinerei mit der Tubelessmilch vom Vortag, gemischt mit Regenwasser und dem Sand des Feldweges, auf dem ich den Platten hatte, ergab eine ungute Schicht im Reifen, welche den Pneu kaputtscheuerte. Also wieder flicken, bzw. ersetzen und weiter gings.
Dieser Teil des Seine-Radwegs war sehr viel besser asphaltiert. Diesen Teil hätte man auch gut wieder mit Strassenreifen befahren können. Trotz des kalten, oft nassen und gegenwindigen Wetters kamen wir recht gut voran bis… mir ein Holzpfahl den Weg versperrte und mich zu einer Vorwärtsrolle samt Velo zwang. Den habe ich nicht kommen sehen und knallte frontal in ihn hinein. Glücklicherweise nicht allzu schnell. Beim Aufprall hörte ich noch ein Knacken und war mir sicher, dass die Gabel gebrochen war.
Das nächste woran ich mich erinnere, ist dass ich auf dem Boden sass und die Unfallalarmierung auf dem Garmin stoppte (welche den Sturz zuverlässig erkannte). Ich hatte Glück und war abgesehen von einer kleinen Schürfung unverletzt. Eine erste Untersuchung des Velos zeigte überraschenderweise auch keine Defekte! Was für eine treue Seele, dieses Bike (nein, weder von Garmin noch von Canyon erhalte ich Geld :-))!


Der Rest der Tour verlief zum Glück ohne weitere Zwischenfälle und kurz nach Mittag erreichten wir Honfleur an der Seine-Mündung. Wo wir wieder unsere Familien trafen. Was wir nicht wussten: Diese Stadt war von Touristen überflutet. Nach einem kurzen Mittagessen suchten wir deshalb schon bald das Weite und fuhren mit den Familien im Bulli zum zweiten Ferienziel: Ravenoville Plage bei Utah Beach.
